Paris › Musée d'Orsay

Atelier des Künstlers

Atelier des Künstlers

Eine junge Frau sitzt da, das Kinn auf eine Hand gestützt, eine Mandoline auf dem Schoß. Ihr Blick schweift zu einer kleinen, düsteren Landschaft auf einer Staffelei rechts. Ihre orange-rote Bluse ist das Wärmste in einem Raum, der ansonsten im tiefen braunschwarzen Schatten versinkt.

Schauen Sie sich den Stuhl neben ihr genau an: Sitzfläche und Rückenlehne sind mit dicken, raschen Pinselstrichen in Orange, Blau und Weiß betupft, sodass das Möbelstück eher in Farbe als in Holz aufzugehen scheint. Achten Sie dann auf die Oberfläche des Rocks, die von einem feinen Netz aus Rissen überzogen ist – dem Craquelé, das sich im Laufe der Zeit über die ganze Leinwand ausgebreitet hat. Zusammengenommen zeigen diese Details einen Maler, dem die Wirkung der Farbe wichtiger war als eine makellose Ausführung. Der Kontrast zwischen den lockeren, dicken Pinselstrichen und dem glatten, dunklen Hintergrund lenkt den Blick genau dorthin, wo Corot ihn haben möchte: auf das Gesicht der Frau und den Schimmer ihrer Hand.

Die gesicherten Angaben lauten: Corot, der in Paris geborene Landschaftsmaler und eine Schlüsselfigur der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts, malte diese Leinwand 1865, im dritten Viertel des Jahrhunderts. Das Werk ist in Öl auf Leinwand ausgeführt und im Musée d’Orsay unter der Inventarnummer RF 3745 verzeichnet. Als französischer Titel ist „L’atelier de Corot“ angegeben, also „Corots Atelier“; der Titel verortet die Szene in einer Künstlerwerkstatt, worauf auch die gemalte Palette und die Staffelei hindeuten. Corots Ausbildung – zunächst im Perücken- und Putzwarengeschäft seiner Familie, dann in den Ateliers von Achille Michallon und Jean-Victor Bertin – verband für ihn zeitlebens klassische Ideale mit der unmittelbaren Beobachtung der Natur. Dieses Interieur mit seinen unfertig wirkenden Formen zeigt, wie sehr er die Bildoberfläche selbst sprechen lassen konnte.

Jean-Baptiste-Camille Corot, geboren am 16. Juli 1796 in Paris, war ein entscheidender französischer Landschafts- und Porträtmaler, dessen Werk die neoklassizistische Tradition mit der aufkommenden Impressionistischen Bewegung verband. Als Mitglied einer wohlhabenden bürgerlichen Familie konnte er die Kunst ohne finanzielle Einschränkungen verfolgen, nachdem er nach dem Tod seiner Schwester im Jahr 1822 eine jährliche Unterstützung erhielt. Zunächst desinteressiert an der Kunst, entflammte Corots Leidenschaft während Naturspaziergängen mit einem Familienfreund, was ihn dazu brachte, bei Achille Etna Michallon zu studieren, der ihn zum Freiluftmalen ermutigte.

Corots frühe Karriere war geprägt von einem Kampf zwischen kommerziellen Verpflichtungen und seinen künstlerischen Ambitionen, doch schließlich widmete er sich ganz der Malerei. Er wurde bekannt für seine ruhigen Landschaften, die oft das Wesen von Licht und Atmosphäre einfingen und später die Impressionisten beeinflussten. Obwohl er während eines Großteils seines Lebens als Amateur galt, erlangte er um 1850 Anerkennung und wurde zu einer Gründungsfigur der Barbizon-Schule, die den Realismus in der Natur betonte. Corots Erbe besteht als Brücke zwischen klassischen Idealen und modernem künstlerischen Ausdruck, was ihn zu einer bedeutenden Figur in der Kunstgeschichte macht. Er verstarb am 22. Februar 1875 und hinterließ ein umfangreiches und einflussreiches Werk.

Jean-Baptiste Camille Corot malte diese Leinwand 1865. Zunächst befand sie sich in seinem eigenen Besitz, in der Sammlung des Künstlers selbst. 1866 ging sie an seinen Freund Louis Briand über, der von diesem Jahr an als Eigentümer verzeichnet ist. Später gelangte sie über die Versteigerung aus dem Besitz von Hubert Morand am 3. März 1933 im Hôtel Drouot in Paris, Los 49, weiter. Heute ist sie im Musée d’Orsay unter der Inventarnummer RF 3745 katalogisiert.

Die Leinwand misst 56 × 46 Zentimeter und ist in Öl auf Leinwand gemalt. Die Frau sitzt in Dreiviertelansicht auf einem Stuhl mit Leiterlehne, das Kinn auf eine Hand gestützt und eine Mandoline schräg über dem Schoß. Ihr Blick ist auf eine gerahmte Landschaft auf einer Staffelei rechts gerichtet. Der vergoldete Rahmen der Staffelei fasst eine dunkle Landschaft mit einem einzigen blassen, weißlichen Fleck. Ein zweiter Stuhl links hat eine Sitzfläche und Rückenlehne, auf die dicke orangefarbene, blaue und weiße Pinselstriche getupft sind. Der Hintergrund ist tief braunschwarz, mit Regalen und undeutlichen gerahmten Bildern; der Boden ist ein flaches Tanbraun. In den Schatten ist der Pinselstrich locker, bei den Farbklecksen auf dem Stuhl kräftiger, und feine Krakelee-Risse überziehen die gesamte Oberfläche.

Ja. Bevor er Maler wurde, arbeitete er im Modegeschäft seiner Familie. Seinem Umgang mit Stoffen verdankte er seinen Sinn für Farbe und Textur, der seine ästhetische Wahrnehmung prägte.

Ja. Jean-Baptiste Camille Corot wuchs mit seinen Eltern und Geschwistern im Obergeschoss über dem Hutgeschäft seiner Familie in Paris auf.

Im Museum vor einem Werk: einfach fotografieren und seine Geschichte hören.

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