Paris › Musée d'Orsay

Die Spinnerin, Auvergnerin

Die Spinnerin, Auvergnerin

Schau hinauf zu der Frau mit dem Strohhut, die auf einem grasbewachsenen Hang sitzt und einen Holzschuh von ihrem überschlagenen Bein baumeln lässt. Sie spinnt Wolle von Hand: In einer Hand hält sie die hochgehobene Handspindel, in der anderen tief unten den umwickelten Spinnrocken. Am rechten Bildrand steht eine helle Ziege. Ihr Mieder ist verblasst blaugrau, ihr Rock lang und graugrün. Die dicken weißen Wolken über ihr sind in weichen, federartigen Pinselstrichen gemalt, sodass der Himmel zu treiben scheint.

Was das Bild so überzeugend macht, ist die schlichte Art, wie es die Frau zeigt. Sie ist weder als Heldin noch als Märchenhirtin inszeniert; sie arbeitet einfach und behält dabei ihre Tiere im Blick. Der Künstler verleiht ihr dasselbe Gewicht und dieselbe Standfestigkeit wie dem Himmel. Aus der niedrigen Perspektive scheint sie den Boden unter sich zu halten, und die Wollfasern, die von der Spindel herabhängen, verbinden ihre Arbeit unmittelbar mit den Ziegen und dem erdigen Hang, auf dem sie sitzt.

Das Bild zeigt eine junge Bäuerin aus der Auvergne, einer Region in Zentralfrankreich, die am Hang Ziegen hütet und dabei spinnt. Das Ölgemälde auf Leinwand ist hochformatig und etwa zweiundneunzig Zentimeter hoch. Der Sammler Alfred Chauchard erwarb es und vermachte es dem Staat 1909 und 1910.

Jean-François Millet war eine zentrale Figur der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts, geboren am 4. Oktober 1814 in Gruchy, Normandie. Als Gründungsmitglied der Schule von Barbizon wird er für seine tiefgründigen Darstellungen des Landleben gefeiert, die den Realismus verkörpern. Millets frühe Jahre waren von landwirtschaftlicher Arbeit geprägt, was seine künstlerischen Themen tief beeinflusste. Nach dem Studium bei verschiedenen Künstlern zog er nach Paris, wo er zunächst kämpfte, aber schließlich Anerkennung für seine Arbeiten erlangte.

Millets Gemälde hoben oft die Würde der ländlichen Arbeiter hervor und zeigten ihre Kämpfe und die Verbindung zur Erde. Seine bemerkenswerten Werke, wie „Die Ährenleser“ und „Der Angelus“, spiegeln einen Wandel von idealisierten ländlichen Szenen zu einer authentischeren Darstellung der zeitgenössischen sozialen Bedingungen wider. Trotz anfänglicher Kritik in seiner Karriere fand er in den 1850er Jahren Erfolg und schuf Meisterwerke, die sowohl beim Publikum als auch bei Kritikern Anklang fanden.

Millets Vermächtnis liegt in seiner Fähigkeit, das alltägliche Leben der Bauern in den Bereich der schönen Kunst zu heben, was Generationen von Künstlern beeinflusste und seinen Platz in der Kunstgeschichte als Verfechter der Arbeiterklasse festigte. Er verstarb am 20. Januar 1875 in Barbizon und hinterließ ein reichhaltiges Werk, das weiterhin inspiriert.

Das Material liefert uns einige konkrete Anhaltspunkte. Das Gemälde ist auf 1869 datiert, und der Auszug verortet seine Entstehung zwischen 1868 und 1869 in Barbizon. Es wurde am 8. April 1875 bei der Versteigerung von Liebig et Fremyn im Hôtel Drouot in Paris unter der Katalognummer 51 angeboten und gelangte anschließend in den Besitz von Alfred Chauchard. Durch Chauchards Vermächtnis kam es 1909–1910 in öffentliche Sammlungen. Bis 1986 wurde es im Louvre aufbewahrt; seither befindet es sich im Musée d’Orsay. Seine Inventarnummer lautet RF 1880.

Die Frau ist aus einer tiefen Perspektive gesehen, und ihre gekreuzten Beine schieben einen Holzschuh nach vorn, Ihnen entgegen. Ihr Mieder ist blaugrau über einem hellblauen Unterkleid mit Ärmeln, und ein dunkler Bund zieht sich quer über ihre Mitte, bevor der lange graugrüne Schürzenrock herabfällt. Ihre erhobene rechte Hand hält die Handspindel mit ihren herabhängenden Büscheln heller Wolle, während ihre gesenkte linke Hand einen kleinen, mit Wolle umwickelten Spinnrocken umfasst, sodass die beiden Hände übereinander angeordnet sind wie eine senkrechte Linie der Arbeit. Rechts steht die helle Ziege gleich hinter der Böschung, und ganz links schwebt am Bildrand eine kleinere, undeutliche Gestalt, kaum auszumachen. Der Himmel ist blau, mit dicken weißen und cremefarbenen Wolken, die schwer über ihr lagern. Der Vordergrund besteht aus dunkler Erde, übersät mit Steinen und einem kiesigen Pfad, was dem unteren Teil des Bildes eine rauere, schwerere Textur verleiht als dem luftigen Himmel darüber.

Der Auszug merkt an, dass dieses Gemälde als Porträt einer jungen Bäuerin aus der Auvergne geschaffen wurde. Sie ist beim Wollspinnen zu sehen, während sie an einem Berghang Ziegen hütet. Das hochformatige Ölgemälde auf Leinwand entstand in Barbizon.

Ja. 1847 gelang ihm mit seinem Gemälde „Ödipus wird vom Baum herabgenommen“ der erste Erfolg im Salon, und 1848 kaufte die Regierung sein Werk „Der Worfler“.

Ja. Er wurde in Gruchy in der Normandie in eine Bauernfamilie hineingeboren, war der älteste Sohn und half seinem Vater bei allen möglichen Arbeiten auf dem Hof, darunter Mähen, Dreschen, Pflügen und Säen. Diese Motive kehrten in seinem späteren Werk wieder.

Im Museum vor einem Werk: einfach fotografieren und seine Geschichte hören.

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