Martyrium des heiligen Sebastian
Hier steht ein junger Mann, an eine kannelierte Säule gebunden. Seine Arme sind auf dem Rücken gefesselt, sein Körper von Pfeilen durchbohrt, doch sein Gesicht hebt sich mit gerunzelter Stirn nach oben, statt vor Schmerz zu versinken. Seht euch das Seil an, das um seine Hand- und Fußgelenke geknotet ist, und das helle Tuch um seine Hüften, durch das die Pfeile dringen und kleine rote Wunden auf seiner Haut hinterlassen. Zu seinen Füßen liegen zerbrochene Fragmente antiker Steine, ein behauener Fuß und eine Blattpflanze – verstreut, als läge die antike Welt selbst in Trümmern.
Andrea Mantegna malt dies mit der Genauigkeit eines Mannes, der die römische Bildhauerkunst eingehend studiert hat – so, wie sein Lehrer Francesco Squarcione ihn dazu angeleitet hatte.
Das Werk ist auf 1480 datiert, in Tempera und Öl auf Leinwand gemalt und misst etwa 255 mal 140 Zentimeter. Es stammt aus dem späten 15. Jahrhundert, einer Zeit, in der Andrea Mantegna sich in Padua bereits einen Namen gemacht hatte und im Umfeld der italienischen Höfe tätig war. Die Landschaft hinter dem Heiligen zeigt ummauerte Städte auf Klippen unter einem weiten blauen Himmel – ein Anblick, der der Szene eine Ferne und Ruhe verleiht, die im Gegensatz zur Gewalt in ihrem Zentrum stehen. Andrea Mantegna wurde um 1431 in der Nähe von Padua als Sohn eines Tischlers geboren. In seiner Jugend kam er bei Squarcione in die Lehre, der ihn zum Studium der von ihm gesammelten Altertümer schickte.
Andrea Mantegna, geboren um 1431 in Isola di Carturo, war eine zentrale Figur der italienischen Renaissance, bekannt für seinen innovativen Einsatz von Perspektive und seinen skulpturalen Ansatz in der Malerei. In Padua in die Lehre bei Francesco Squarcione gegangen, nahm er klassische Einflüsse auf, die seine künstlerische Vision prägten. Mantegnas frühe Werke, einschließlich der Fresken in der Ovetari-Kapelle, zeigten seine Meisterschaft in dramatischer Perspektive und Detailgenauigkeit, obwohl viele tragischerweise während des Zweiten Weltkriegs verloren gingen.
Sein Stil, geprägt von schroffen Landschaften und steinernen Figuren, wurde oft wegen seiner Starrheit kritisiert, stellte jedoch einen Bruch mit den gotischen Konventionen dar und etablierte eine neue Richtung in der westlichen Kunst. Mantegnas Heirat mit Nicolosia Bellini verband sein Erbe weiter mit dem anderer bedeutender Künstler seiner Zeit. Seine Werkstatt wurde zu einem führenden Druckproduzenten in Venedig und beeinflusste Generationen von Künstlern. Mantegnas Werk verkörpert den Geist der Renaissance, indem es klassische Ästhetik mit innovativen Techniken verbindet und seinen Platz in der Kunstgeschichte als Meister des visuellen Erzählens und der Perspektive festigt. Er verstarb 1506 in Mantua und hinterließ einen bleibenden Eindruck in der Kunstwelt.
Außerdem nennt es eine Inventarnummer: RF 1766. Darüber hinaus erfahren wir weder, wer das Gemälde in Auftrag gab, noch, wo es erstmals gezeigt wurde oder wie es aufgenommen wurde. Weiter als bis zu diesem knappen Eintrag kommen wir also nicht.
Vor einer hohen, kannelierten Säule mit geschnitztem korinthischem Kapitell steht der junge Heilige, fast nackt und mit lockigem, rotbraunem Haar. Ein helles Tuch ist um seine Hüften geknotet; Pfeile durchbohren es und seine Beine und hinterlassen kleine rote Wunden. Seine Knöchel sind an den steinernen Sockel gefesselt, die Arme an den Handgelenken und Oberarmen hinter seinem Rücken gebunden. Im Vordergrund liegen zerbrochene antike Mauerreste, ein Fragment eines geschnitzten Fußes und eine Blattpflanze auf dem Boden. Unten rechts erscheinen neben einem Pfeilbündel die Köpfe zweier Männer und ein Bogen. Hinter der Gestalt erheben sich felsige Klippen mit ummauerten Städten und einem Torbogen unter blauem Himmel mit großen weißen Wolken. Die Oberfläche ist glatt und fein ausgearbeitet; keine Inschrift ist lesbar. Die Beschreibung macht keine Angaben zu Pinselstrichen oder Malschichten, daher lässt sich nichts Weiteres darüber sagen, wie die Farbe aufgetragen wurde.
Der hier wiedergegebenen Überlieferung zufolge brachte ihm sein Lehrer Squarcione Latein bei; außerdem studierte er Fragmente römischer Skulpturen – passend zu der klassischen Sorgfalt, die in diesem Gemälde sichtbar wird.
Francesco Squarcione, der Maler aus Padua, bei dem Mantegna in die Lehre ging, hatte zunächst als Schneider gearbeitet, bevor er sich der antiken Kunst verschrieb.
