Paris › Musée d'Orsay

Portrait der Mme***

Portrait der Mme***

Die Frau in Schwarz steht in ganzer Figur da. Ihr Körper ist nach links gewandt, doch ihr Gesicht dreht sich zu Ihnen zurück. Mit einer Hand zieht sie einen weißen Handschuh aus, während der andere bereits zerknüllt auf dem Boden liegt. Dieser im Augenblick der Bewegung eingefangene Moment ist die ganze Idee des Bildes. Achten Sie besonders auf den Handschuh am Boden und den Hut mit seinen kleinen gelben Blumen – der Künstler hat beides so gewählt, dass es den Blick auf sich zieht.

Das Porträt stammt von Carolus-Duran, geboren als Charles Auguste Émile Durand, einem französischen Maler der Pariser Oberschicht zur Zeit der Dritten Republik. Die Dargestellte war seine Frau Pauline Croizette, die er im Januar 1868 heiratete. Sie war Pastell- und Miniaturmalerin und saß ihm 1869 für dieses Gemälde Modell. Im Jahr seiner Entstehung wurde das Werk im Pariser Salon gezeigt und mit einer Medaille ausgezeichnet. 1875 kaufte der Staat es für das Musée du Luxembourg. 1878 war es auf der Weltausstellung zu sehen, und seit 1982 befindet es sich im Musée d’Orsay.

Charles Auguste Émile Durand, bekannt als Carolus-Duran, war ein bedeutender französischer Maler und Kunstlehrer, geboren am 4. Juli 1837 in Lille. Er trat während der Belle Époque in Erscheinung und wurde für seine eleganten Porträts der High Society im Frankreich der Dritten Republik gefeiert. Seine künstlerische Reise begann mit Zeichenunterricht bei einem lokalen Bildhauer, gefolgt von formalen Studien in der Malerei bei François Souchon in Paris, wo er sein Pseudonym annahm.

Durands frühe Werke waren vom Realismus beeinflusst, insbesondere von Gustave Courbet, doch später neigte er zum Stil von Diego Velázquez, nachdem er nach Rom und Spanien gereist war. Sein Durchbruch kam mit dem Gemälde "Mord", das bedeutende Anerkennung fand. Er wurde bekannt für seine Porträtkunst, die das Wesen seiner wohlhabenden Modelle mit einem unverwechselbaren Flair einfing.

Als Pädagoge gründete Durand ein bedeutendes Atelier in Paris und betreute viele namhafte Künstler, darunter John Singer Sargent. Seine Beiträge zur Kunstwelt wurden mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter mehrere Beförderungen innerhalb der Légion d'honneur. Er spielte eine entscheidende Rolle in der Kunstgemeinschaft, indem er die Société Nationale des Beaux-Arts mitbegründete und in Jurys für bedeutende Ausstellungen tätig war.

Durands Vermächtnis ist geprägt von seiner Fähigkeit, akademische Techniken mit einem modernen Empfinden zu verbinden, was ihn zu einer Schlüsselfigur im Übergang von traditioneller zu zeitgenössischer Porträtkunst machte. Er verstarb am 17. Februar 1917 und hinterließ ein reiches künstlerisches Erbe, das bis heute Künstler beeinflusst.

Das Gemälde wurde 1869 fertiggestellt und noch im selben Jahr im Salon des artistes français in Paris erstmals gezeigt. Im Katalog war es unter dem Titel „Portrait der Mme***“ (Madame Durant) aufgeführt. Später erwarb der Staat das Werk für das Musée du Luxembourg; seit 1982 befindet es sich im Musée d’Orsay. Die Dargestellte, Pauline Croizette, war die Ehefrau des Künstlers: Aus den Angaben geht hervor, dass die beiden im Januar 1868 heirateten und sie 1869, im Entstehungsjahr des Gemäldes, dafür Modell saß.

Die Leinwand ist hochformatig und nahezu lebensgroß; sie misst 228 × 164 Zentimeter und ist in Öl auf Leinwand gemalt. Die Frau steht in Dreiviertelansicht und hat den Kopf uns zugewandt. Ihr Kleid ist lang und dunkel, mit einem eng anliegenden Oberteil und einem voluminösen Rock, der sich über den Boden ausbreitet und in eine Schleppe übergeht. Auf ihrem dunklen Haar sitzt ein kleiner dunkler Hut, der mit gelben Blumen geschmückt ist; neben ihren Ohren fallen Ringellocken herab. An den Handgelenken sind weiße Manschetten zu sehen. Der Hintergrund ist eine rauchig wirkende, wolkig gemusterte graugrüne Fläche ohne Möbel oder räumliche Umgebung; am rechten Rand verläuft ein heller Zierstreifen. Die Maloberfläche ist glatt und weich verblendet, und der schwarze Stoff erhält seinen Glanz durch subtile Lichtreflexe statt durch harte Kontraste. Die Beschreibung nennt eine glatte, weich verblendete Malweise; sichtbare Pinselstriche oder pastosen Farbauftrag erwähnt sie nicht.

Ja. Pauline Croizette, die Frau des Malers, war Pastellmalerin und Miniaturmalerin. Sie war also selbst künstlerisch tätig, bevor sie für dieses Porträt Modell saß.

Im Museum vor einem Werk: einfach fotografieren und seine Geschichte hören.

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