Bild: ALFGRN · MLWatts · ALFGRN · ALFGRN · ALFGRN
Menschengestaltige Statue aus 'Ain-Ghazal
Der Schöpfer arbeitete mit Gips, den er über einem Kern aus Gesteinsasphalt formte. Der Körper trägt noch immer die Spuren seines langen Lebens: Risse ziehen sich über Oberschenkel und Rumpf, kleine Vertiefungen übersäen die Oberfläche, und Stellen mit späteren Ausbesserungen zeigen, wo Restauratoren eingegriffen haben.
Schau dir zuerst die Augen an, wenn du kannst. Sie sind groß und mandelförmig, dunkel umrandet, mit einer tiefer liegenden Pupille in jeder Augenhöhle. Sie sind das Auffälligste an einem Gesicht, das ansonsten auf einen Nasenrücken und eine feine Linie als Mund reduziert ist. Auch die Füße sind sorgfältig ausgearbeitet: Die Zehen beider nackten Füße sind in den Gips eingeschnitten. Diese kleinen eingeritzten Linien lassen vermuten, dass dem Schöpfer die Figur als ganzer Mensch wichtig war, nicht bloß als Silhouette.
Allein anhand der materiellen Spuren lässt sich diese Frage nicht klären. Mit Sicherheit sagen können wir also nur so viel: Dies ist eine sorgfältig gefertigte menschliche Figur aus einer bäuerlichen Gemeinschaft, die etwa sechseinhalbtausend Jahre vor unserer Zeitrechnung lebte. Sie wurde mit einem Geschick geformt, das den Blick noch heute fesselt.
Spüren Sie, wie diese Figur aufgebaut und nicht herausgearbeitet wurde. Ihre Oberfläche erzählt davon, wie sie entstand: Am Rumpf und an den Oberschenkeln ist sie rau und uneben, von kleinen Vertiefungen übersät und stellenweise rissig. Betrachten Sie den Hals, die Schultern und die Unterschenkel, die deutlich glatter sind – so lässt sich erahnen, wo die Hand des Herstellers anders vorging. Die Zehen beider nackten Füße wurden mit eingeritzten Linien in den weichen Gips geschnitten: ein bewusst hinzugefügtes Detail, nachdem die Grundform gestaltet war.
